Joachim Grössing

Der Herr segne dich –

 Konfirmationspredigt über 4. Mose 6, 22-27, Mörbisch

 

 [22] Und der HERR redete mit Mose und sprach: [23] Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: [24] Der HERR segne dich und behüte dich; [25] der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; [26] der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. [27] Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde, 

 

Schnell ist sie vergangen, die Zeit des Konfirmandenunterrichts. Heute seid ihr hier, alle so schön und strahlend - und ihr freut euch über euren großen Tag. Ihr werdet JA sagen zu eurer Taufe und werdet gesegnet. 

Segnen, Segen - schwer zu erklären und zu beschreiben. Aber manchmal ganz leicht zu spüren, zu fühlen. Ich freu mich darüber, dass jemand da ist, den ich mag. Oder darüber, dass ich mit meinen Freunden zusammen bin. Oder dass ein Streit gerade gut zu Ende gegangen ist und wir uns versöhnt haben. Oder darüber, dass mir etwas gut gelungen ist. Ich bin neugierig auf die Zukunft und die Überraschungen, die sie bringen wird. Ich freu mich darüber, dass das Leben gerade leicht ist und schön. 

Ich habe das Gefühl, mein Leben ist gesegnet. Gott ist auf meiner Seite. Er redet, denkt Gutes über mich und er tut mir Gutes. Gott hält mich, er schenkt mir Glück und Zufriedenheit, er lässt mein Leben gelingen. Ich fühle mich gesegnet: Das heißt: Es geht mir gut, ich fühle mich geborgen bei Gott.

 

Du bist ein Segen für die Menschheit. Du bist ein Segen für mich. Gut, dass es dich gibt. Ich kann mich auf dich verlassen. Das sagen wir zu anderen Menschen, die wir gern haben, die wir brauchen. Auch andere Menschen können zum Segen für uns werden, können uns segnen, indem sie etwas Gutes zu uns sagen oder uns etwas Gutes tun. 

Das ist das Schöne am Segen - er vermehrt sich. Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein - das sagt Gott ziemlich am Anfang der Bibel zu Abraham. Gott segnet uns und er lässt uns für einander zum Segen werden.

 

Der HERR segne dich und behüte dich; [25] der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; [26] der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Es gibt Worte, die sind Lebensworte. Worte, die uns helfen und auf die wir deshalb warten. Worte, die wir so nötig brauchen wie das tägliche Brot oder die Luft zum Atem. Solche Worte sind für mich auch die Worte des aaronitischen Segens, die uns vielleicht schon seit Kindertagen vertraut sind. Diese Worte laden uns ein, unser Dasein Gott anzuvertrauen. 

Der Segen Gottes, uns zugesprochen am Ende jedes Gottesdienstes, erinnert daran, dass die Liebe Gottes uns wohl tut - spürbar wohl tut.  

 

Der HERR segne dich und behüte dich...

Gottes Schutz brauchen wir und suchen wir, bewusst oder unbewusst. Wir dürfen uns geborgen fühlen in Gottes Händen. Er ist bei uns im Glück und auch in schweren Zeiten, auch da, wo wir es vielleicht gar nicht spüren können.

 

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig...

Es ist das freundliche, das gnädige Gesicht Gottes, das uns entgegen leuchtet, seine Güte.  

Ich bin gemeint. Dieses freundliche Gesicht gilt mir. Die Segensworte rufen eine Erinnerung wach, die vielen von uns vertraut ist: die Erinnerung an das leuchtende Gesicht, den liebevollen Blick mit dem die Mutter oder der Vater uns angesehen haben. Erinnerung an Augen, die uns sagen: Ich freu mich über dich.

So muss der Segen Gottes sein. 

Gottes freundliches Gesicht über uns. Seine Güte leuchtet über unserem Alltag, sein tröstendes und heilendes Wort hilft uns bei unseren Problemen und Zweifeln. Gott geht mit uns. Gott geht mit euch. Auch wenn ihr euch vielleicht nicht immer daran erinnern werdet. Auch wenn Sorgen wie dunkle Wolken den Himmel verfinstern. Irgendwann vertreibt ein Wind die Wolken und wir können dahinter das freundliche Gesicht Gottes erkennen. 

Wir alle sind abhängig davon, dass jemand uns freundlich ansieht. Wir sind dankbar für ein Lächeln, für einen freundlichen Blick. Auch das freundliche Gesicht eines anderen Menschen kann zum Segen Gottes für uns werden. 

Und wir können den Segen Gottes weitergeben, wenn wir andere Menschen freundlich ansehen.

 

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden...

Das Gesicht ist nach alter Anschauung der Spiegel der Seele. Unsere Gefühle, unser Innerstes, unser Wesen spiegelt sich in unserem Gesicht. 

Auf dem Gesicht eines Menschen spiegeln sich seine innersten Stimmungen und Seelenzustände: Freude und Trauer, Gespanntsein und Gelöstheit, Liebe und Hass, Sicherheit und Scham, Angenommen- und Verworfensein. 

Wer finster dreinschaut, tut es aus Neid, Ablehnung oder Zorn; da hat der so Angeschaute nichts Gutes zu erwarten.

Wer - zum Beispiel nach einem Streit, in einem Moment, in dem man dem Anderen eigentlich nicht in die Augen schauen kann, ihn nicht anschauen mag – wer da den Blick erhebt, ihn auf sein Gegenüber richtet, dem Anderen einen gnädigen Blick schenkt, der fängt schon an, Frieden zu schließen. 

Wer sein Angesicht erhebt, der gewährt Gnade und bewirkt, dass sein Gegenüber seinen gesenkten Blick ebenfalls frei erheben kann. Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden... Gott schenkt uns Vergebung und immer wieder einen neuen Anfang.