Gloria in excelsis Deo/Ehre sei Gott in der Höhe – die Weihnachtsbotschaft im Gottesdienst

 

1.            Lobgesang der Engel

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden… (Lk 2/14) -- Von den Engeln, von Außen kommt diese Botschaft. Aus der Welt Gottes kommt sie mit seiner Menschwerdung hinein in unsere Welt. Kommt auf die Felder der Hirten, kommt in den Stall von Bethlehem, kommt in die Herzen vieler Menschen, die sie weitersagen, weitertragen. So findet der Lobgesang der Engel seinen Platz in der biblischen Überlieferung und schließlich auch im christlichen Gottesdienst.

 

2.         Gloria in excelsis im christlichen Gottesdienst

2.1       Ein Blick in die Geschichte

In frühchristlicher Zeit, im östlichen Bereich der Kirche wird der biblische Text (Lk 2/14) mit einer Reihe von Akklamationen und Bitten verbunden. Akklamationen sind bestätigende Rufe der Gemeinde wie z.B. Amen, Halleluja oder Herr ist Jesus, die oft auch Bekenntnischarakter haben. Sie haben im christlichen Gottesdienst der ersten Jahrhunderte große Bedeutung und spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung der christlichen Liturgie. Durch die Verbindung des Bibeltextes mit Akklamationen und Bitten entsteht ein dreigliedriger Hymnus mit folgenden Teilen: Gesang der Engel in der Heiligen Nacht – Lobpreisung Gottes – Rufe zu Christus.


 

Gloria in excelsis Deo

et in terra pax hominibus bonae voluntatis.

 

Laudamus te,

benedicimus te,

adoramus te,

glorificamus te,

gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam,

Domine Deus, Rex caelestis,

Deus Pater omnipotens,

 

Domine Fili unigenite, Jesu Christe,

Domine Deus, Agnus Dei,

Filius Patris,

qui tollis peccata mundi, miserere nobis;

qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram.

Qui sedes ad dexteram Patris, miserere nobis.

Quoniam tu solus Sanctus,

tu solus Dominus,

tu solus Altissimus, Jesu Christe,

cum Sancto Spiritu:

in gloria Dei Patris. Amen.

 

(lateinische Fassung:  Messbuch der katholischen Kirche)

 

 

Ehre sei Gott in der Höhe

und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.

 

Wir loben dich

wir benedeien dich, (in EG 180.1 weggelassen)

wir beten dich an,

wir preisen dich,

wir sagen dir Dank um deiner großen Ehre willen,

Herr, Gott, himmlischer König,

Gott, allmächtiger Vater.

 

Herr, eingeborner Sohn, Jesu Christe, du allerhöchster.

Herr Gott, Lamm Gottes,

ein Sohn des Vaters,

der du hinnimmst die Sünd der Welt: erbarme dich unser

der du hinnimmst die Sünd der Welt: nimm an unser Gebet,

der du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarm dich unser.

Denn du bist allein heilig,

du bist allein der Herr,

du bist allein der Höchste, Jesu Christe,

mit dem Heiligen Geist

in der Herrlichkeit Gott des Vaters. Amen.

 

(deutsche Fassung: nach Straßburger Gloria 1524 - EG 180.1)

 


Dieser Hymnus – er spielt auch mit Versatzstücken der anderen großen liturgischen Gesänge (Agnus Dei – Sanctus – Kyrie - Credo) - findet seinen Platz in der Liturgie der westlichen Kirche als Dank- und Festgesang. Anfangs wird er zu Weihnachten, bald schon auch sonst bei besonderen Anlässen zu Beginn der Messe angestimmt.

Bis ins 11. Jahrhundert hinein ist das Anstimmen des Gloria meistens dem Bischof vorbehalten, nur im fränkischen Raum gehört es schon seit dem 8. Jh. zum festen Bestandteil jeder Messe – eine Praxis, die sich schließlich durchsetzt. So erklingt das Gloria als Bestandteil des Ordinariums der Messe seit dem Hochmittelalter an allen Sonn- und Feiertagen im Eingangsteil des Gottesdienstes nach dem Kyrie - mit Ausnahme der Advent- und Fastenzeit.

In der alten Kirche sind zu Anfang beim Singen der liturgischen Stücke alle Gottesdienstbesucher beteiligt, im Lauf der Zeit geht das Singen auf einen Chor aus Klerikern über, später - mit Entstehen der Mehrstimmigkeit im Mittelalter - auf „professionelle“ Chöre. Das führt einerseits dazu, dass das Gloria und die anderen feststehenden Stücke der Messe (Kyrie, Credo, Sanctus, Agnus Dei) zu den am meisten vertonten Texten der Musikgeschichte werden. Andererseits finden sich die Laien mehr und mehr in der Rolle von Zuhörern und Zusehern – ein Verlust an Beteiligung am Gottesdienstgeschehen. So sehen sich die Reformatoren veranlasst, die liturgischen Stücke schon sehr bald in Lieder zu fassen, die von der ganzen Gemeinde gesungen werden können. Die Umdichtung des Gloria durch Nikolaus Decius – das Lied Allein Gott in der Höh sei Ehr (EG 179) – ist schon in Gesangbüchern aus dem Jahr 1525 zu finden; das Gloria nach der Straßburger Ordnung (EG 180.1) stammt aus dem Jahr 1524.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat erst im 20. Jh. für die katholische Kirche diese Wiederaneignung der Liturgie durch die Gemeinde nachgeholt, ein Beispiel dafür ist das Gloria-Lied Gott in der Höh sei Preis und Ehr (EG 180.2), das den Text des Gloria sehr knapp zusammenfasst, wobei jedem Teil des Gloria zwei Liedzeilen zugeordnet werden.

In Gottesdienstordnungen des 19. und 20. Jahrhunderts wird das Gloria oft auf seinen ersten, biblischen Teil reduziert und  - wie das Kyrie - im Wechsel zwischen Pfarrer und Gemeinde gesungen oder gesprochen. Manche Ordnungen sehen im Anschluss an dieses verkürzte Gloria eine Strophe des Liedes Allein Gott in der Höh sei Ehr vor. Steht das Kyrie in Verbindung mit einem Sündenbekenntnis, folgt ein Gnadenzuspruch vor dem Gloria.  Das vollständige Gloria mit dem Lobgesang Wir loben dich ist Festtagen vorbehalten – sofern es überhaupt noch erklingt - vgl. Ordnung des Lutherischen Gottesdienstes  (EG, S. 14).

 

2.2.      Gestaltungsmöglichkeiten des Gloria in excelsis

2.2.1    Kyrie und Gloria in excelsis in Verbindung mit Sündenbekenntnis und Gnadenzuspruch

Die in unseren Gemeinden sehr verbreitete Abfolge Sündenbekenntnis – Kyrieruf – Gnadenwort – Gloria in excelsis verwendet Kyrie und Gloria in Kurzform und bildet als ganzer Block eine Art Vorbereitungsgebet. Man kann diesen Block als Kurzform der Beichte verstehen, besonders dann, wenn im Gnadenwort ausdrücklich vom Erbarmen und der Vergebung Gottes gesprochen wird („Gott hat sich unser erbarmt“) -  vgl. EGb S.493).

 

 

2.2.2.   Kyrie und Gloria in excelsis als eigenständige liturgische Stücke

Sollen Kyrie und Gloria als eigenständige liturgische Stücke zur Geltung kommen, so „tritt an die Stelle der ausführlichen Fassung von Sündenbekenntnis und Gnadenzusage ein kurzer Vorspruch zum Kyrie, der Sehnsucht und Unvermögen der betenden Gemeinde ausdrückt. Ein entsprechender Vorspruch zum Gloria, häufig in Form eines biblischen Votums, lädt dazu ein, sich auf die in Jesus verbürgten Zusagen Gottes einzulassen und in das Gotteslob einzustimmen“ (EGb S.493).

Eine Möglichkeit, Kyrie und Gloria einmal unverkürzt im Gottesdienst erklingen zu lassen wäre die Verwendung der Straßburger Singfassung (EG 178.2 - Kyrie, EG 180.1 – Gloria) – da bilden Kyrie und Gloria auch musikalisch eine Einheit.

Ein weiteres Beispiel für ein textlich ungekürztes Gloria in excelsis ist EG 180.3. Bei diesem Lied aus Schweden ist die Gemeinde mit einem Kehrvers beteiligt, der Großteil des Textes wird vom Liturgen gesprochen oder gesungen. Ein weiteres Beispiel für ein solches Gloria-Lied mit Kehrvers bietet der Österreich-Anhang mit EG 575.3.

Textlich wohl gekürzt, aber musikalisch eindrücklich wäre auch ein Gloria-Kanon, der sich ähnlich wie bei EG 180.3 ebenfalls refrainartig zwischen gesprochene Textteile des Gloria einbauen ließe. Beispiele: EG 180.4 sowie im Österreich-Anhang: EG 575.1, EG 575.2 und EG 575.4.

Auch das wohlbekannte Lied Allein Gott in der Höh sei Ehr (EG 179) verdient es, ab und zu mit allen vier Strophen zu erklingen.

Schließlich gibt es unzählige Vertonungen des Gloria in excelsis in allen Schwierigkeitsgraden und verschiedensten Besetzungen, die den Gottesdienst bereichern können.

 

3.         Gloria in excelsis und “kleines” Gloria (Gloria patri)

Neben dem Gloria in excelsis kennt unser Gottesdienst in seinem Eröffnungsteil noch ein anderes Gloria. Das „kleine“ Gloria  - „Ehre sei dem Vater…“ - wird seit dem 7. Jahrhundert den Psalmen als bekennender Lobpreis (Doxologie) angefügt. Die reformatorischen Gottesdienstordnungen sehen  an dieser Stelle vielfach ein Psalmlied vor, das dementsprechend mit einer Gloria-patri-Strophe endet. Als  im 19. Jahrhundert der gesprochene oder gesungene Introitus-Psalm wiederhergestellt wird, lässt man ein von der Gemeinde gesungenes Gloria patri folgen. Dadurch bekommt das „kleine“ Gloria den Charakter eines selbständigen trinitarischen Bekenntnisgesangs der Gemeinde. (vgl. EGb S 26)

 

4.         … einfach zum Nachdenken

Das Gloria in excelsis hält in jedem christlichen Gottesdienst das Weihnachtgeschehen präsent – ähnlich, wie Karfreitag und Ostern in jeder Abendmahlsfeier vergegenwärtigt werden. Die Worte Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden (Lk 2/14) entsprechen inhaltlich dem Doppelgebot der Liebe (Matthäus 22, 37-40), der Aufforderung, Gott und den Nächsten zu lieben. Jesus spricht: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Gott die Ehre geben und den Frieden suchen, weil er uns verheißen ist – das ist unsere Aufgabe. Nicht mehr und nicht weniger. Und davon singen wir – in jedem Gottesdienst.

„Ehre sei Gott und Friede auf Erden …Wir glauben, dass diese beiden Gedanken wie im Lobgesang der Engel eine geistliche Harmonie bilden. Die Offenbarung von Gottes Herrlichkeit spornt uns an, in unserer Welt für Frieden einzutreten. Indem wir uns in den Dienst Christi stellen, verpflichten wir uns einer Spiritualität des Widerstands und stellen die Spirale der Gewalt in Frage, die unseren Planeten bedroht. Weil Gott Einer ist und voller Gnade, sind wir aufgerufen, ganzheitliche, gerechte und friedliche Gemeinschaften aufzubauen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie … den Lobgesang der Engel neu hören und dass Sie sich mit frischen Kräften der Vision öffnen, die darin enthalten ist. Möge das Wissen von Gottes Herrlichkeit unsere Herzen und Sinne, unsere Seele und unseren Geist erfüllen. Möge die sichere Hoffnung … unser Leben, unser Zuhause, unsere Gesellschaft und unsere Welt verwandeln…(Samuel Kobia)

                                                                                                                            Joachim Grössing

Literatur:

 

·         S. Kobia, Weihnachtsbotschaft 2007 des Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen,  (http://www.oikoumene.org/de/dokumentation/documents/oerk-generalsekretaer/messages-and-letters/21-12-07-weihnachtsbotschaft-2007.html?print=1_print%3D1_)

·         F. Maibaum,, Der christliche Gottesdienst, (http://www.der-evangelische-gottesdienst.de/gloria-in-excelsis-deo.htm)

·         B. Naumann, Einführung in den Gebrauch des Evangelischen Gottesdienstbuches

      (http://www.uni-leipzig.de/~prtheol/egb/einf.htm)

·         Bieritz, K-H,  Liturgik, Berlin 2004

·         Evangelisches Gottesdienstbuch (EGb), Berlin 1999

·         Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe der evangelischen Kirche in Österreich, Wien 1994

·         Fischer, W(Hg), Werkbuch zum Evangelischen Gesangbuch, Bd V Gottesdienst, Göttingen 1998

·         Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch, Sonderband: Die Lieder unserer Kirche, Göttingen 1958